LEGO Serious Play ist eine moderierte Workshop-Methode, bei der Teilnehmende Gedanken, Erfahrungen und mögliche Lösungen als dreidimensionale Modelle bauen, erklären und gemeinsam reflektieren.
LEGO Serious Play ist eine moderierte Methode für Reflexion, Problemlösung und gemeinsame Verständigung. Teilnehmende beantworten eine Fragestellung nicht nur verbal, sondern bauen ihre Perspektive mit LEGO Elementen als Modell, erklären dessen Bedeutung und reflektieren anschließend gemeinsam. Dadurch werden abstrakte Themen sichtbar und unterschiedliche Sichtweisen erhalten einen konkreten Bezugspunkt.
Weitere Bezeichnungen: LEGO® SERIOUS PLAY® · LSP · LEGO Serious Play Methode
Auf einen Blick
Ursprung
Ab 1996 im Umfeld der LEGO Group mit Johan Roos, Bart Victor und Kjeld Kirk Kristiansen entwickelt
Kategorie
Moderierte Workshop- und Reflexionsmethode
Core Process
Challenge, Build, Share, Reflect
Arbeitsform
Individuelle Modelle, gemeinsame Modelle und Systemlandschaften
Modell seit 2010
Community-basiertes Modell; die LEGO Group bietet selbst keine Zertifizierung mehr an
Moderation
Die LEGO Group empfiehlt den Einsatz geschulter und erfahrener Facilitators
Stärken und Grenzen: passt – und passt weniger
Diese beiden Listen beantworten die häufigste Frage zuerst: Wofür ist der Ansatz gedacht, und wann ist er die falsche Wahl? Alles Weitere auf dieser Seite vertieft genau diese Entscheidung.
Passt, wenn
Strategie-, Visions- und Transformationsfragen, bei denen unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden sollen
Team- und Kulturarbeit, wenn abstrakte Begriffe in konkrete gemeinsame Bilder übersetzt werden müssen
Komplexe Probleme mit mehreren Akteuren, Beziehungen oder Abhängigkeiten
Workshops, in denen Beteiligung breiter verteilt werden soll als in einer normalen Diskussion
Frühe Phasen von Veränderung oder Innovation, in denen Annahmen, mentale Modelle und mögliche Zukunftsbilder erkundet werden sollen
Passt weniger, wenn
Einfache operative Entscheidungen, für die bereits genügend Informationen und ein klarer Entscheidungsweg vorliegen
Situationen, in denen Teilnehmende nicht bereit sind, Modelle zu bauen und deren Bedeutung persönlich zu erklären
Konflikte, die eine formale Klärung von Rechten, Verantwortlichkeiten oder arbeitsrechtlichen Fragen erfordern
Workshops, in denen das spielerische Material die fehlende Auftragsklärung oder schlechte Facilitation ersetzen soll
Vorhaben, in denen aus einem einzelnen Workshop automatisch belastbare strategische oder wissenschaftliche Evidenz abgeleitet werden soll
Vertiefung: Ausgangslagen, Prinzipien und Ablauf
Typische Ausgangslagen und Probleme
Gespräche bleiben abstrakt
Bei Strategie-, Kultur- oder Teamfragen sprechen Beteiligte häufig über Begriffe wie Zusammenarbeit, Verantwortung oder Kundennutzen, ohne dass klar wird, welche konkreten Vorstellungen dahinterstehen. Ein gebautes Modell zwingt dazu, eine Idee sichtbar zu machen und ihre Bedeutung zu erklären.
Nicht alle Stimmen erhalten gleich viel Raum
Klassische Workshops begünstigen leicht Personen, die schnell formulieren, hierarchisch einflussreich sind oder Diskussionen dominieren. Im Core Process baut und erklärt jede Person ihr eigenes Modell. Das schafft eine strukturierte Form der Beteiligung, bevor die Gruppe über Gemeinsamkeiten und Unterschiede entscheidet.
Komplexe Zusammenhänge sind schwer gemeinsam zu betrachten
Wenn viele Akteure, Abhängigkeiten und mögliche Entwicklungen zusammenkommen, reicht eine lineare Liste oft nicht aus. Modelle und Landschaften können Beziehungen räumlich darstellen und damit eine gemeinsame Diskussion über das System erleichtern.
Prinzipien: warum der Ansatz so funktioniert
Denken durch Bauen
Gedanken werden nicht erst vollständig formuliert und anschließend illustriert. Das Bauen selbst ist Teil des Denkprozesses: Teilnehmende wählen Elemente, ordnen Beziehungen an und entwickeln dabei eine Bedeutung, die anschließend sprachlich erklärt wird.
Jede Person baut und teilt
Der Core Process sieht vor, dass Teilnehmende auf eine gemeinsame Fragestellung bauen und die Bedeutung ihres eigenen Modells selbst erklären. Das Modell gehört inhaltlich der Person, die es gebaut hat; andere können nachfragen, sollten seine Bedeutung aber nicht für sie umdeuten.
Metaphern machen Unsichtbares besprechbar
LEGO Elemente werden nicht nur wörtlich genutzt. Eine Figur, eine Mauer oder eine Verbindung kann beispielsweise für eine Rolle, ein Hindernis oder eine Beziehung stehen. Dadurch lassen sich Erfahrungen und Annahmen ausdrücken, für die im normalen Arbeitsgespräch oft keine einfache Sprache vorhanden ist.
Gemeinsame Modelle brauchen Verhandlung
Bei komplexeren Anwendungen werden individuelle Sichtweisen zu einem gemeinsamen Modell oder einer Landschaft verbunden. Die Gruppe muss dabei klären, welche Elemente wesentlich sind, wie sie zusammenhängen und welche Bedeutung gemeinsam getragen wird.
Das Modell ist Mittel, nicht Ergebnis an sich
Der Wert entsteht nicht durch ein besonders gelungenes Bauwerk. Entscheidend sind die Fragen, die Bedeutung der Modelle, die Gespräche darüber und die daraus gewonnenen Einsichten. Gute Facilitation hält den Fokus deshalb auf dem organisatorischen Thema statt auf der Ästhetik.
Wie der Ansatz funktioniert
01
1. Fragestellung und Ziel klären
Vor dem Workshop wird festgelegt, welche organisatorische Frage bearbeitet werden soll und was nach der Session klarer sein soll. Gute Baufragen sind offen genug für unterschiedliche Antworten, aber konkret genug, um auf das eigentliche Thema zu fokussieren.
02
2. Skills Building
Teilnehmende werden schrittweise mit Bauen, Metaphern und Storytelling vertraut gemacht. Diese Einführung reduziert die Sorge, besonders kreativ oder technisch geschickt bauen zu müssen, und schafft gemeinsame Regeln für die weitere Arbeit.
03
3. Challenge und Build
Der oder die Facilitator stellt eine Baufrage. Jede Person entwickelt darauf eine eigene Antwort als Modell. Das Bauen findet zunächst individuell statt, damit nicht bereits in der ersten Phase ein Gruppenkonsens die unterschiedlichen Perspektiven überdeckt.
04
4. Share und Reflect
Alle erklären nacheinander, wofür die Elemente ihres Modells stehen. Die Gruppe stellt Verständnisfragen und reflektiert Muster, Unterschiede, Überraschungen und mögliche Zusammenhänge, bevor die nächste Baufrage folgt.
05
5. Gemeinsames Modell oder Systembild entwickeln
Wenn das Ziel es erfordert, werden zentrale Elemente zu einem gemeinsamen Modell verbunden oder als Landschaft mit Beziehungen und Abhängigkeiten angeordnet. Daraus können gemeinsame Prinzipien, Szenarien, Prioritäten oder nächste Schritte abgeleitet werden.
Typischer Einführungspfad
01
Ergebnis statt Methode zuerst definieren
Kläre zuerst, welches Problem oder welche Entscheidung der Workshop unterstützen soll. LEGO Serious Play ist kein Selbstzweck; die Baufragen und die spätere Auswertung müssen auf dieses Ergebnis einzahlen.
02
Erfahrene Facilitation wählen
Prüfe, ob die moderierende Person in der Methode ausgebildet ist, relevante Praxiserfahrung hat und den organisatorischen Kontext versteht. Die LEGO Group selbst führt seit 2010 keine Zertifizierung von Facilitators mehr durch.
03
Vom Individuellen zum Gemeinsamen arbeiten
Beginne mit individuellen Modellen und sorge dafür, dass jede Person ihre Perspektive erklären kann. Erst danach sollte die Gruppe Gemeinsamkeiten, Konflikte oder ein gemeinsames Systemmodell entwickeln.
04
Erkenntnisse in Entscheidungen übersetzen
Dokumentiere nicht nur die Modelle. Halte fest, welche Annahmen sichtbar wurden, worüber Einigkeit oder Uneinigkeit besteht und welche konkreten Entscheidungen, Experimente oder offenen Fragen daraus folgen.
Evidenz & kritische Einordnung
Die LEGO Group beschreibt LEGO Serious Play als Methode, die Beteiligung, Dialog und Reflexion in moderierten Workshops unterstützt und empfiehlt ausdrücklich den Einsatz geschulter Facilitators.[1][2] Empirische Forschung ist vorhanden, aber deutlich kleiner als die praktische Verbreitung vermuten lässt. Eine quasi-experimentelle Studie mit 39 Praktikerinnen und Praktikern verglich LEGO Serious Play mit traditionellen Meetings und fand unter anderem höhere Werte bei bestimmten Flow-Komponenten sowie einen besseren kreativitätsbezogenen Output der Teams.[3] Das ist ein interessanter Befund, aber wegen des kleinen Samples kein Beleg dafür, dass die Methode in jedem Kontext bessere Ergebnisse erzeugt.
Organisationsforschung beschreibt LEGO Serious Play außerdem als einen abgegrenzten Reflexionsraum, in dem Gruppen organisatorische Themen anders bearbeiten können als im normalen Arbeitsalltag.[4] ShapeOrg behandelt die Methode deshalb als strukturierten Facilitation-Ansatz. Die Qualität eines Workshops hängt wesentlich von Fragestellung, Facilitation, Gruppenkontext und der anschließenden Überführung in reale Entscheidungen ab.
LEGO Serious Play und New Work
LEGO Serious Play ist keine New-Work-Methode im engen Sinn. Sie kann jedoch in New-Work- und Organisationsentwicklungsprozessen nützlich sein, wenn Beteiligung, neue Formen der Zusammenarbeit, Rollenbilder, Kultur oder zukünftige Organisationsmodelle gemeinsam untersucht werden sollen. Die Verbindung liegt in der Art des Arbeitens: Perspektiven werden sichtbar gemacht, Menschen werden aktiv beteiligt und Veränderung wird als gemeinsamer Lernprozess bearbeitet.
Dejan Popovic ist als Leadership & Culture Architect bei B CULTURE tätig und seit 2016 beruflich aktiv. Er arbeitet als Facilitator mit den Schwerpunkten Organisationsentwicklung und Teamentwicklung, unter anderem mit der Methode LEGO® Serious Play®.
agile Organisationsentwicklerin und systemische Coach
like a zebra
Kathrin Dariz ist agile Organisationsentwicklerin und systemische Coach bei like a zebra. Sie arbeitet mit Coaching und Training sowie der Methode LEGO Serious Play.
Lukas Stadelmann ist zertifizierter LEGO® Serious Play® Facilitator und arbeitet mit der RETHINK GmbH in Zürich. Er begleitet Workshops und Facilitations, die auf Teamentwicklung und Zusammenarbeit ausgerichtet sind.
Business- und Team-Coach, LEGO® Serious Play® Facilitator und Konflikt-Coach
Sabine Reitmayer-Wawer ist Business- und Team-Coach, Facilitatorin für LEGO® Serious Play® und Konflikt-Coachin mit Sitz in Wien. Sie arbeitet mit Einzelpersonen, Teams und Führungskräften und verbindet Coaching mit Facilitation. Seit 2018 ist sie selbstständig tätig.
Agility & Resilience Coach und zertifizierter LEGO® SERIOUS PLAY® Facilitator
EHS Erasmus Hochschule Basel
Tim Robert Zander ist Agility & Resilience Coach und zertifizierter LEGO® SERIOUS PLAY® Facilitator. Er arbeitet an der EHS Erasmus Hochschule Basel und bringt mehr als fünf Jahre Lehrtätigkeit an der TU Berlin mit.